Kallfelz Hochgewächs

Für diese Serie schöpft der Hamburger Weinautor Mario Scheuermann aus seiner Trinkerfahrung, gesammelt in beinahe einem halben Jahrhundert und stellt seinen persönlichen deutschen Weinkanon auf. Dabei geht es nicht um die teuersten, berühmtes ten und besten Hochprädikatsweine Deutschlands  sondern um die wahren Klassiker – wie das Kallfelz Hochgewächs.

Qualitätsschoppen vom Weingut Kallfelz

Manchmal habe ich den Eindruck, als wären nicht wenigen Weinfreunden alle Maßstäbe abhandengekommen, bei ihnen ist scheinbar immer Sonntag. Diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man tagtäglich bei Facebook, Twitter oder Google die Postings der Weincommunity liest, Etikettentrinken ist zu einer populären Genussdisziplin geworden und wird aber auch
leider oft aus Unkenntnis angewendet. 

Doch die Weinwelt besteht nicht nur aus Grand und Premier Crus, aus kultigen Garagenweinen, exotischen Raritäten oder deutschen Kellerschätzen.

Darum an dieser Stelle eine mahnende Bitte: Verachtet mir den Schoppen nicht! Auch ein Alltagswein aus der Literflasche kann in meinen Augen durchaus kanonwürdig sein, wenn die richtige Philosophie dahintersteht und die Qualität stimmt. Dies ist seit Jahren beim Riesling-Hochgewächs von Albert Kallfelz an der Mosel der Fall, Schoppen de luxe, sozusagen .

Das Weingut Albert Kallfelz befindet sich in der Gemeinde Zell-Merl. Der Ort wurde 782 erstmals urkundlich als Merila erwähnt.

In der Familie geht der Weinbau als Mischwirtschaft bis ins Jahr 1450 zurück.

In seiner heutigen Form besteht der 1907 vom Großvater gegründete Betrieb seit drei Generationen. Albert Kallfelz, der als 20-Jähriger vor 48 Jahren mit 1,1 Hektar Rebfläche anfing, bewirtschaftet heute ca. 50 Hektar und kauft nach strengen Regeln von einigen langfristig gebundenen Vertragswinzern Trauben hinzu. Damit zählt er zu den größten Weinerzeugern an der Mosel. Das hat ihm nicht nur Freunde, sondern auch viele Neider eingebracht und die Weinkritik meinte es nicht immer gut mit ihm, unter stellte ihm Massenproduktion.

Albert Kallfelz ist ein streitbarer, ehrlicher Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

Im Laufe seines Lebens hat er sich mit Gott und der Welt angelegt, mit Verbandsfunktionären, Politikern, Journalisten, Wein kritikern.  Er hat einige Jahre darauf verzichtet, vom Gault Millaut überhaupt bewertet zu werden, nachdem er sich ungerecht behandelt fühlte .

Inzwischen erkennt man auch dort seine Leistung an und bescheinigt seinem Lagenbesitz Erstklassigkeit .

Albert Kallfelz hat ein Buch geschrieben, um seine Erfahrungen, Kenntnisse und Wissen eines langen Weinlebens seinen

Mitmenschen anzuvertrauen.